blog 02 // wirrwarr

blog, newzealand, southisland, travel

blog 02 // wirrwarr – written by Tobi

Seit einigen Wochen sind wir nun schon auf „Neu Seeland“ und noch immer verspricht jeder Tag neue Facetten dieser enorm abwechslungsreichen Landschaft. Richtig gehört Aussie´s, in Neuseeland gibt es nicht nur Schafe! Ehrlich gesagt mussten wir fast 3 Wochen warten, bis wir die ersten gesehen haben! Jetzt erheitern sie uns jedoch täglich mit ihrem drolligen Gemüt und ihrer fast fanatischen Futtersuche.

2.000 Kilometer stehen auf dem Tacho unseres japanischen Raumwunders. Mittlerweile macht der Toyota „Raum“ seinem Namen auch alle Ehre. Von uns an dieser Stelle ein dickes „domo arigato“, denn neben der mit dem Ingenieurspreis gewürdigten Bauart, lehrt uns der Raumi zweifellos das beharrlichste Japanisch, was ein Auto einem lehren kann. So begrüßt uns jedes Mal beim Eindrehen des Zündschlüssels eine piepsige Frauenstimme, mit auch nach 6 Wochen noch nicht wiederholbaren Lauten. Ich gebe zu, ich habe es bereits aufgegeben zu versuchen, bin jedoch frohen Mutes, dass Caro es bis zur Abgabe schafft, sie zu wiederholen. Und auch sonst ist der Raumi ein japanisches Konstruktionswunder, so reicht die Radiofrequenz beispielsweise von 76 – 90 FM. Unsere Chance auf einen Radiosender, in einem mit 4 Millionen Menschen recht spärlich besiedelten Land, begrenzt sich demnach auf einen Empfangsbereich von 2 FM (88 – 90). Neben dem Fehlen einer B-Säule, einer seitlich öffnenden Kofferraumtür, zweier automatisch schließender, signalertönender Schiebetüren, lässt sich innen zudem so gut wie alles umklappen, um vom Cockpit bis zur Kofferraumklappe eine freie Fläche zu bilden. Ästhetisch gesehen wurde dabei jedoch jeglicher Fokus verloren… Dennoch führen uns die 4 Schubkarrenreifen nach wie vor souverän von Ziel zu Ziel!

Auckland // Doch zunächst zur Ankunft. Nach 10 aufregenden Tagen in Melbourne nahmen wir den Flieger nach Auckland. Irgendwie selbstverständlich wurden wir vor der Passkontrolle herausgezogen und vermutlich auf Drogen getestet … doch alles gut 😉 Ähnlich wie auf dem Flug nach Australien machten wir auch gleich wieder die erste Bekanntschaft mit den Kiwis, den Einwohner Neuseelands. Diesmal jedoch mit den Ureinwohnern, den Maori. Leider auch im amerikanischen Fast-Food-Zeitalter angekommen, setzten sich pure 150 kg Lebenskraft neben uns – oder besser gesagt neben Caro – hatte ich mir doch den Fensterplatz gesichert :P. Wie selbstverständlich skypte unser Nachbar auch direkt los, bis die aufbrausenden Turbinen des Flugzeugs die schrillen Geräusche seines Gegenübers übertönten. Mit gezählten 3 Cokes, 2 Orangensäften, einem Wasser, einem Müsliriegel und 2 kleinen Packungen M&M’s auf einem 3 Stunden Flug nutze er die Freundlichkeit der Air NewZealand-Stewardessen aus. Auf dem Flughafen angekommen, durften wir direkt unser Zelt und Caros Wanderschuhe abgeben, um sie einer Inspektion unterziehen zu lassen. 15 Minuten später, gereinigt und desinfiziert, verstanden wir nun warum es immer hieß: „Neuseeland nimmt es ernst mit der Einfuhr!“

Über Airbnb gebucht, versprachen die Worte unserer Gastgeberin Mollie „in the heart of Kingsland“ eine gewisse Erwartung an unsere Unterkunft und irgendwie auch an Auckland. Liegt die größte Stadt Neuseelands doch direkt am Wasser, wurde sie zwischen 9 Krater erloschener Vulkane gebaut und besitzt mit 1,4 Millionen rund 1/3 aller Einwohner Neuseelands. Leider sollten diese Erwartungen der unerschrockenen, nackten Realität weichen…Eingesperrt in einen Raum ohne Fenster, in einer Gegend in der vermutlich der Hund begraben liegt, verbrachten wir 7 sehr intensive Ankommenstage in Auckland. Fernab der Heimat, der Reisevorbereitungen, der Vorfreude, des Trubels in Melbourne, saßen wir auf 3 mal 3 Meter mit der Wand vor dem Kopf. Auch unsere Gastgeberin machte nicht den Anschein uns wirklich willkommen zu heißen, erwiderte sie bei Ankunft nicht unsere Hand, noch sprach sie ein Wort mit uns – dies übernahm ihr Freund. Auf mehr Kommunikationsbereitschaft hofften wir die nächsten Tage vergebens. Kamen wir zum Kochen in die Küche, verschwanden die beiden in ihr Zimmer, waren wir fertig, kamen sie zum Kochen. So wurde das Ganze zu einem Katz-Maus-Spiel. Mehr als unser Zimmer ohne Fenster und die Küchentrips gab die Wohnung nicht her. Es zog uns also nach draußen und so verbrachten wir die Tage in dem Wirrwarr aus Beton, Autohäusern, Straßenunterführungen, vereinsamten Parks und Touristen in Downtown. Die Nächte wiederum beim Research im Zimmer – immerhin war das WiFi top. Neben einem touristischen Zentrum schichtet sich ein Mix aus Industrie-, Gewerbe- und Wohngebieten um den Inner Circle, gefolgt von einem sehr breiten Einfamilienhausgürtel. Selten belebt und noch seltener mit Flair. Kurzum, Auckland gab nicht viel her. Wir waren enttäuscht. So schlug sich dies womöglich auch auf mein Gemüt – was Caro sicher bestätigen würde…;)

Vorrangig war aber die Entscheidung zu treffen, wie es von Auckland aus weitergehen sollte – zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Bus oder mit dem Auto. Jede dieser Alternativen hatte ihre Vor- und Nachteile. Hergekommen waren wir mit der Vorstellung ein Fahrrad zu kaufen und die Inseln zu bereisen – einfach und spartanisch. Da es aber die Woche des Erwachens war und es sowieso immer alles anders kommt als man denkt, scheiterten wir bereits beim Besorgen eines Trailers für die Backpacks. Mit 800€ nicht in unserem Budget oder mit der Ausführung als Kinderanhänger nicht auf das Gewicht unseres Gepäcks ausgelegt, suchten wir nach Alternativen. Ein Auto zu kaufen oder zu mieten stand hierbei als erstes auf der Liste. Ein Auto für 2 Monate zu kaufen – zu viel Bürokratie, ein Auto für 2 Monate zu mieten – recht teuer. Und so waren wir wieder beim Bike. Hatten uns sogar schon zwei ausgesucht. Doch dann ging es los mit der Helmpflicht, einem Licht – ´wie kann man eigentlich seine Fahrrad-LED´s zu hause liegen lassen´ – einem Schloss, Gepäckträgern, Seitentaschen, Flickzeug und und und… Wir verließen den Bikestore, um nochmal über alles zu schlafen. Wie könnte man sonst Reisen?! Zu Fuß – recht unflexibel und womöglich die Zeit in den Städten verbringen – in solch einem Naturland?!…und da sind ja auch noch die 20 kg Zement auf dem Rücken. Vielleicht lieber mit dem Bus?!…doch mit 2000 $ für 8 Wochen recht teuer. Hinzu kämen die Übernachtungen im Hostel – mit rund 30 $ pro Person pro Tag für ein Dorm-Bett. Und da wären noch die vorwiegend 20-Jährigen Deutschen im Bus… Es muss etwas Anderes geben… Also nochmal Auto-Research. Von Freunden wusste wir, dass sie vor 4-5 Jahren für 6 Wochen knapp 1.000 € für einen Van bezahlt hatten – jedoch in der Nebensaison. Anfang Februar ist vollste High-Season und unter 3.000 € für 2 Monate war einfach nix zu machen…zumindest nicht mit Motor! So waren wir schließlich bei StaTravel, das Backpacker-Reisebüro schlechthin. Mit einem Preis von 7.000 € für einen Campervan (verglichen mit einem VW-Bus im Toyotastyle) schwenkte die Beraterin recht schnell zum überteuerten Reisebus-Sonderangebot über, das selbstverständlich nur noch bis Morgen galt! – wir mussten hier schnell wieder raus! Ich möchte nicht wissen, was all die jungen Backpacker hier wohl an Geld lassen… Also doch Bike, oder?! „Ahh, dieses 9 qm Gefängnis macht mich wahnsinnig!“ … Gute Nacht!

Neuer Tag, neuer Geist – und so kam Caro mit einem unschlagbaren Mietpreis für ein Auto von 1800 $ für 2 Monate um die Ecke. Endlich hatten wir was in Aussicht. Einen Tag später machten wir uns in die Spur, um die Seriosität der Autovermietung zu überprüfen. Ähnlich zur Myke-Card in Melbourne mussten wir auch hier wieder eine Karte mit Guthaben auffüllen, bevor wir unsere Reise bis zum Ende von Auckland antreten konnten. 2 Stunden und 153.289 Einfamilienhäuser später, waren wir bei „Quality-Cars“ angekommen. Dort empfingen uns zwei Inderinnen. Nach einigem hin und her, aufgrund unterschiedlicher Preise zur Buchung vor Ort und auf der Internetseite, fuhren wir mit dem Raumi vom Hof! – Die Reise konnte beginnen…endlich!

Raglan // Der erste geplante Stopp brachte uns an die Westküste der Nordinsel – in das Surferdorf Raglan, wo es an der Manu Bay den wohl längsten left-hand brake der Welt gibt. Leider haben wir noch keine Ausrüstung und das Ausleihen eines Surfbords ist nicht im „Mal-eben-so-Budget“. In Australien aber sicher mehr dazu! Raglan an sich fetzt, kleine versteckte Surfer-Läden wechseln sich ab mit Bars, Cafés und Restaurants. Die Preise zum Aufstellen eines Zeltes vor Ort waren mit 40 $ für 2 Personen jedoch ebenfalls zu teuer, sodass wir uns einen Platz im Landesinneren suchten.

Leider ist Neuseeland, entgegen unserer Erwartungen, sehr strikt im Umgang mit Wildcampen. Wird man erwischt, ist eine sofortige Strafgebühr von 200 $ zu entrichten, sodass wir bisher niemanden gesehen oder getroffen haben, der wirklich wild campt – nicht einmal Self-contained-Camper (Wohnwagen mit Toilette). Gerade auf der Südinsel wünscht man sich hier schon ab und zu das skandinavische Jedermannsrecht! Profitieren hiervon vor allem die Campingplatzbesitzer, so ist es immerhin auch die Natur, der dieser Umstand guttut. Denn nicht jeder Camper nimmt am nächsten Tag seinen Müll auch wieder mit…leider! Zudem erscheint es so als ob Neuseeland in den letzten Jahren einen explosionsartigen Touristenansturm erfährt. Die Preise regulärer Campingplätze – Mindestanforderung Plumpsklo – stiegen von 8 $ pro Person auf 13 $ pro Person – innerhalb eines Jahres. Die letzten freien Campingplätze im Land sind eigentlich immer restlos überfüllt und so scheint es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch diese Plätze schließen oder mit Gebühren belegt werden – Schade eigentlich… Hilfreich beim Finden von Campingplätzen ist jedoch die vom Department of Conservation (DOC) lizensierte, kostenfreie App „Campermate“, die bei der Suche von Campingplätzen, dazugehörigen Preisen, Feedbacks aber auch öffentlichen Toiletten oder WiFi-Stellen hilft und mittlerweile zum gängigen Reiseequipment eines jeden Neuseeland-Campers zählt.

Tongariro National Park // Weiter auf unserer Reise durch Neuseeland ging es über die grasbewachsenen Hügel des Auenlandes bis nach Mittelerde. Dabei immer an meiner Seite: Sam, geduldig und stets für ein Abenteuer zu haben. Als wir nach über einer Woche schließlich unser Ziel Mordor erreichten, änderte sich die Laune Sams jedoch schlagartig, denn was ich ihr bis jetzt nicht gesagt hatte, war, dass wir den Schicksalsberg auch erklimmen müssen, um die grenzenlose Freiheit dieses faszinierenden Landes überblicken zu können. Der Tongariro-Nationalpark ist nicht nur der älteste Nationalpark, sondern auch UNESCO Weltkultur- als auch Weltnaturerbe. Im Zentrum des Parks befinden sich 3 aktive Vulkanberge – der Tongariro (1968 m), der Ngauruhoe (2291 m) und der Ruapehu (2797 m). Zusammen bilden sie das südliche Ende einer 2500 km langen Kette von Vulkanen, die durch das Kollidieren der Pazifischen und Indisch-Australischen Platte entstanden. Bei Ankunft bereits in den Wolken verschwunden, konnten wir nur erahnen, was uns am nächsten Tag erwartet! So schlugen wir unser Zelt im selbsternannten Basiscamp des Tongariro Alpine Crossings auf – bei kühlen 4-5 Grad und Dauerregen. Die angespannte Körpersprache Sams sollte sich durch die Aussagen der Überlebenden der Tortur nur noch weiter verschlimmern. So kam es ganz gelegen, dass wir noch einen Gefährten kennenlernten, der uns teilweise begleiten sollte. In der Nacht entlud sich dann all die Spannung – bei Kälte und Feuchte im Zelt, zog es Sam vor, im Auto um Schlaf zu ringen. Unausgeschlafen, doch voller Vorfreude packten wir im Morgengrauen das Zelt zusammen, präparierten die Rucksäcke und fuhren zum späteren Endpunkt unserer Reise. Von dort ging es 40 Minuten mit dem Shuttle zum Ausgangspunkt. Anfangs noch recht müde in den Beinen, starteten wir unseren 19 km langen, 1300 Höhenmeter überbrückenden Cross quer über die Mittelachse des Tongariro. Als wir nach 4 Stunden am Red Crater ankamen, änderte sich plötzlich die Vorhersage und das sonnige Wetter schlug in einen sich zusammenbrauenden Sturm um. Innerhalb von Minuten fanden wir uns im dichten Nebel wieder. Nun war auch mir klar, dass der Aufstieg zum höchsten Krater des Schicksalsberges kein Kinderspiel werden wird…

„Ein Ring sie zu Knechten, sie alle zu finden, ins Dunkle zu treiben und ewig zu binden. Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.“

Nur 300 Höhenmeter waren es noch, fast am Ziel. Doch Sam hier zurückzulassen, in all der Dunkelheit und Kälte, nur um die Selbstsucht des Ringes zu befriedigen?! Das kam nicht in Frage. Wir suchten uns einen kleinen Felsvorsprung, setzten uns und haarten etwas aus. Die Erde warm, wird sie doch stetig von unten gewärmt. Während wir unsere Kraftvorräte auffüllten, versuchte Sam mich mit ein paar aufmunternden Worten zu trösten. Als dann schließlich das Schlimmste vorüber war, sortierten wir uns und begannen langsam den Abstieg. Einige Meter weiter unten waren wir auch schon aus den Wolken. Der Geruch von Schwefel stieg uns in die Nase und zusehends eröffnete sich ein umwerfender Blick auf die rote Kraterlandschaft, auf leuchtend smaragdgrüne Seen und tosende Dampflöcher. Vielleicht hatten wir Sauron besiegt, aber vielleicht auch nur Glück gehabt. Egal was es war, es war in jedem Fall all die Strapazen wert und so kamen wir nach 11 Stunden körperlich kaputt, doch seelisch gelöst unten am Auto an…auch Sam war glücklich…der Kampf um den Ring war fürs Erste besiegt!

Zur Erholung fuhren wir ein paar Tage in die recht noble und touristische Stadt Taupo, die wunderschön gelegen am gleichnamigen See einen anmutenden Blick auf Mordor gewährt. Kurz vor der Weiterreise besorgten wir uns noch zwei Matratzen, bei der Caro all ihr Verhandlungsgeschick unter Beweis stellen konnte und den eh schon gesenkten Preis gleich zweimal nach unten drückte! Die beiden Schaumstoffmatratzen sollen unser Auto für alle Wetterkapriolen auf der Südinsel präparieren. Da auch für die Nordinsel eine Wetterverschlechterung vorhergesagt wurde, änderten wir unsere Pläne und folgten der Sonne zur Ostküste. Die Aussicht auf 28 Grad und verheißungsvoll angekündigte, architektonische Ergüsse führten uns nach Napier – die Art-déco-Hauptstadt Neuseelands. Doch außer 2-3 interessanten Cafés und einem sich bereits um 15 Uhr füllenden, kostenlosen Schlafplatz fanden wir auch hier nicht viel Gefallen und so entschieden wir in Richtung Südinsel zu starten.

Wellington // Ein paar Tage später kamen wir in Wellington, der südlichsten Stadt der Nordinsel an, von der aus in der Nacht unsere Fähre auf die Südinsel ablegen sollte. Wellington, eigentlich berüchtigt dafür immer schlechtes Wetter zu haben, zeigte sich bei strahlendem Sonnenschein. Die Hauptstadt Neuseelands mit gerade mal 190t Einwohnern, gefiel uns von Anfang an mehr als Auckland. Hinter urbanen Zentrumsbauten reihen sich in den grünen Hügellandschaften die Häuser um einen Naturhafen. Schnell war klar, dass Wellington neben dem politischen Zentrum auch das kulturelle Zentrum der Insel darstellt. Selbst die in Auckland bislang vermisste „Szene“ findet ihren Platz auf Straßen wie der Cuba Street. Wir fanden schnell Gefallen an der Atmosphäre der Stadt. Bevor es abends dann etwas durch die Straßen ging, statteten wir noch den Kostüm- und Maskenbildnern von „Der Herr der Ringe“, „Der Hobbit“ und Filmen wie „King Kong“ oder „Avatar“ im Mini-Museum Weta Cave einen Besuch ab. Neben Trollen und Orks, trafen wir auch auf unseren stetigen Begleiter…;)

Zurück in der Innenstadt verabschiedete sich Wellington mit einem tollen Sonnenuntergang über den Bergen. Aber nun auf zur Südinsel!

next // blog 03 – nimmerland – part I